Veröffentlicht am 14. August 2026
Ungerechtfertigte Kündigung in der Türkei: Abfindung und Kündigungsentschädigung

Der Verlust des Arbeitsplatzes ist sowohl finanziell als auch emotional belastend. Das türkische Arbeitsrecht schützt Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen und gewährt bei ungerechtfertigter Kündigung konkrete Entschädigungsansprüche. Dieser Ratgeber behandelt die Abfindung, die Kündigungsentschädigung und das Verfahren der Wiedereinstellungsklage.
Wann besteht ein Anspruch auf Abfindung?
Ein Arbeitnehmer, der mindestens ein Jahr bei demselben Arbeitgeber beschäftigt war, hat Anspruch auf eine Abfindung (kıdem tazminatı), wenn ihm ohne wichtigen Grund gekündigt wird oder einer der gesetzlich ausdrücklich aufgeführten Fälle vorliegt – etwa Renteneintritt, Militärdienst oder die Eigenkündigung einer Arbeitnehmerin wegen Eheschließung. Die Abfindung wird auf Grundlage des letzten Bruttolohns für jedes volle Beschäftigungsjahr berechnet.
Was ist die Kündigungsentschädigung?
Die Partei, die das Arbeitsverhältnis kündigt, muss der anderen Partei innerhalb der gesetzlich festgelegten Fristen eine Kündigungsfrist einräumen oder stattdessen eine Entschädigung zahlen (ihbar tazminatı). Die vorgeschriebene Kündigungsfrist beträgt je nach Beschäftigungsdauer des Arbeitnehmers zwischen 2 und 8 Wochen. Kündigt ein Arbeitgeber, ohne diese Frist einzuhalten, muss er eine Entschädigung in Höhe des Lohns für diesen Kündigungsfristzeitraum zahlen.
Voraussetzungen für eine Wiedereinstellungsklage
Ein Arbeitnehmer mit mindestens sechsmonatiger Betriebszugehörigkeit in einem Betrieb mit 30 oder mehr Beschäftigten kann eine Wiedereinstellungsklage erheben, wenn sein Arbeitsverhältnis ohne gültige Begründung gekündigt wurde. Die Klage muss innerhalb eines Monats nach Zugang der Kündigung erhoben werden. Stellt das Gericht die Unwirksamkeit der Kündigung fest, muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer entweder wieder einstellen oder eine Wiedereinstellungsentschädigung zahlen.
Überstunden und weitere Ansprüche
Neben Abfindung und Kündigungsentschädigung können Arbeitnehmer beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis auch unbezahlte Überstunden, nicht genommenen Jahresurlaub sowie ausstehende Boni oder Prämienzahlungen geltend machen. Die Berechnung dieser Ansprüche hängt von der Beschäftigungshistorie und den Gehaltsunterlagen des Arbeitnehmers ab.
Wie läuft das Verfahren ab?
Prüfung der Kündigung und der darin angegebenen Gründe
Berechnung von Abfindung, Kündigungsentschädigung und weiteren arbeitsrechtlichen Ansprüchen
Einleitung des obligatorischen Schlichtungsverfahrens (gesetzliche Voraussetzung vor Klageerhebung)
Anrufung des Arbeitsgerichts, falls keine Einigung erzielt wird
Professionelle Rechtsberatung erhalten
Bei Atalya Hukuk Bürosu bieten wir Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Antalya umfassende arbeitsrechtliche Beratung und Prozessvertretung. Damit Ihre Rechte umfassend gewahrt bleiben, kontaktieren Sie uns frühzeitig oder informieren Sie sich über unsere arbeitsrechtlichen Dienstleistungen.

Dieser Inhalt wurde vom Rechtsteam der Atalya Hukuk Bürosu erstellt und geprüft.
Unser Team kennenlernen →Verwandte Artikel

Was ist die Uzlaştırma (Schlichtung) im Strafverfahren? Anwendungsbereich und Ablauf
Was ist die Schlichtung (Uzlaştırma) im türkischen Strafverfahren, bei welchen Straftaten kommt sie zur Anwendung, und was geschieht, wenn sich die Parteien einigen? Wir erläutern das Schlichtungsverfahren Schritt für Schritt.
Weiterlesen→
Wie widerruft man eine Vollmacht? Folgen und wichtige Hinweise zum Widerruf
Möchten Sie eine Vollmacht widerrufen, die Sie einem Rechtsanwalt oder einer anderen Person erteilt haben? Wie läuft das Verfahren ab, ab wann wirkt der Widerruf, und welche Rechte behält der widerrufene Bevollmächtigte? Das sollten Sie wissen.
Weiterlesen→
Fotograf wegen unerlaubter Weitergabe von Hochzeitsfotos zu Haftstrafe verurteilt: Wegweisendes Urteil des Kassationshofs
Der 12. Strafsenat des türkischen Kassationshofs entschied, dass Hochzeitsfotos als „personenbezogene Daten" gelten, und bestätigte eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 8 Monaten für einen Fotografen, der die Fotos eines Paares ohne dessen Zustimmung anderen Kunden zeigte.
Weiterlesen→